Wirtschaftliche Alternative im Amazonasgebiet?
Auf den europäischen Märkten ist ein wachsendes Angebot an Bioprodukten aus dem Amazonasgebiet zu beobachten. Im Hintergrund entwickelt sich eine Bioökonomie, die im Amazonasgebiet als Sozio-Bioökonomie konzipiert wird: „Ein Entwicklungsmodell, das auf Produkten und Dienstleistungen basiert, die mit der ökologischen Integrität des Amazonasökosystems, der kulturellen Identität und der sozioökonomischen Teilhabe seiner Bewohnerinnen und Bewohner vereinbar sind“ (Pan-Amazonía en Red *).
Es ist eine Antwort auf Modelle, die von internationalen Organisationen und Agenturen am Schreibtisch ohne die notwendige Kontextualisierung entwickelt werden und die bekannten Faktoren von Ausbeutung, Extraktivismus und Degradierung des tropischen Waldes reproduzieren.
Bioökonomie ist dann in Amazonien tragfähig, wenn sie von den Realitäten, dem Wissen und den Fähigkeiten der indigenen Völker, der traditionellen Gemeinschaften und Völker afrikanischer Abstammung ausgeht. Die Herausforderung ist Bioökonomie an die Produktionsbedingungen in den jeweiligen Territorien anzupassen, zu ergänzen und weiterzuentwickeln. Forschung und Entwicklung, Innovation und Technologien, Finanzierung, partizipative und inklusive öffentliche Politiken, Marktzugang und Kompetenzstärkung sind hier leitende Faktoren.
Welche Bedeutung und Reichweite hat die Sozio-Bioökonomie im Amazonasgebiet heute? Welche Hindernisse stehen der weiteren Entwicklung der Bioökonomie im Amazonasgebiet entgegen?
Anhand von Erfahrungen mit bioökonomischen Ansätzen rund um Kakao, Schokolade, Copaibaöl, Camu-Camu, werden wir diese Fragen und andere Aspekte gemeinsam mit Fachexperten aus dem bolivianischen und peruanischen Amazonasgebiet analysieren.
Referent:innen:
Beatriz Choque Martela: Mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in sukzessiven Agroforstsystemen hat sie sich auf die Wiederherstellung degradierter Ökosysteme spezialisiert. Sie führt ein eigenes Unternehmen auf einer produktiven Parzelle mit einer kleinen landwirtschaftlichen Schule, der „Finca Agrobosque“. Mehrfache Einsätze als Fachexpertin und Beraterin für verschiedene internationale Organisationen in Bolivien. Beatriz Choque Martela ist Agraringenieurin mit einem Master in Geoinformationssystemen für nachhaltiges Forstmanagement.
Vincent A. Vos: Er verfügt über umfangreiche Erfahrung in Biodiversität, Forstmanagement, Agroforstwirtschaft und ländlicher Entwicklung im Amazonasgebiet. Seine Arbeit richtet sich auf die Entwicklung von Alternativen einer Bioökonomie, die auf der nachhaltigen Nutzung des Waldes und der Biodiversität, mit höherer Wertschöpfung und lokaler Verteilung der Erlöse basiert. Vincent Vos ist Biologe und MSc. in Tropenökologie sowie Forscher am Instituto de Investigaciones Forestales de la Amazonía (IIFA-UAB) im bolivianischen Amazonasgebiet.
Dennis del Castillo: Er verfügt über mehr als zwanzig Jahre Erfahrung in der Umsetzung integrierter Projekte zur ländlichen Entwicklung, zum Management von Wäldern und Böden, zur Erhaltung der Biodiversität, zur Domestizierung und Verbesserung amazonischer Arten sowie zur nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen im peruanischen Amazonasgebiet, Madagaskar, Kap Verde und Bolivien. Dennis del Castillo ist Agraringenieur, MSc. in Pflanzenphysiologie und PhD in Bodenmanagement. Derzeit ist er Direktor des Programms für Waldmanagement des Instituto de Investigaciones de la Amazonía Peruana (IIAP).
Moderation: Juliana Ströbele-Gregor (LAF Berlin)
Das Gespräch findet auf Spanisch mit Simultandolmetschung ins Deutsche statt.
Eine Veranstaltung des LAF Berlin im Rahmen der Initiative „Berlin aktiv im Klima-Bündnis“, mit der Finanzierung der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit (LEZ).
Foto Credits: Vincent Vos, IIFA UABJBX

