Klima-Aktivismus in Costa Rica

Costa Rica zählt zu den Ländern mit der weltweit höchsten Biodiversität. Grund dafür ist die geomorphologische Entstehung des Landes. Erdgeschichtlich betrachtet ist Costa Rica ein sehr junges Land.

von | 05.12.2025 | Costa Rica, Allgemein

Nationale Ambitionen und globales Engagement

Costa Rica gilt als beliebtes Urlaubsziel, wird jedoch aufgrund seiner geringen Größe hinsichtlich wirtschaftlicher und weltpolitischer Bedeutung deutlich unterschätzt. Dabei können sowohl Länder des Globalen Nordens als auch Länder des Globalen Südens im Bereich Klimapolitik viel von Costa Rica lernen.

Costa Rica zählt zu den Ländern mit der weltweit höchsten Biodiversität. Grund dafür ist die geomorphologische Entstehung des Landes. Erdgeschichtlich betrachtet ist Costa Rica ein sehr junges Land. Es entstand durch den Zusammenstoß der beiden Kontinente Nord- und Südamerika, welche vor mehreren Millionen Jahren kollidierten und Zentralamerika bildeten. Dadurch trafen verschiedene Arten von Tieren und Pflanzen aufeinander. Verbunden mit einer weiterhin hohen tektonischen Aktivität und der Existenz vieler Vulkane entstand eine gebirgige und geomorphologisch vielfältige Region mit sogenannten Mikroklimata, d.h. zahlreiche, durch ihr Klima abtrennbare kleinräumige Gebiete, in welchen sich spezifische Tier- und Pflanzenwelten entwickeln konnten. Die Nähe zum Äquator trägt zusätzlich zur hohen Biodiversität Costa Ricas bei.

Aufgrund seiner nährstoffreichen Böden wurde Costa Rica während der Kolonialzeit zu einem beliebten Anbaugebiet für Kaffee, später auch für tropische Früchte. Um den „Ressourcenfluch“ abzuwenden und den Artenreichtum des Landes vor der zunehmenden Ausbreitung von agrarwirtschaftlichen Flächen und Monokulturanbau zu schützen, entschied sich die Regierung Costa Ricas in den 1970er Jahren, die vorherrschende Biodiversität durch die Etablierung eines Nationalparksystems zu schützen. Dadurch gelang es dem Land, einen anderen Entwicklungsweg einzuschlagen als andere lateinamerikanische Länder, welche häufig den Extraktivismus zum Entwicklungsmodell machten und zugunsten der wirtschaftlichen Entwicklung die Ausbeutung der Natur und die Zerstörung von Ökosystemen in Kauf nahmen.

Obwohl der Anbau und Export von Kaffee und tropischen Früchten weiterhin einen beträchtlichen Teil des nationalen BIPs ausmachen, sind die Hightech-Industrie sowie der Ökotourismus die wirtschaftlichen Motoren des Landes. Während der Industrie- und Dienstleistungssektor überwiegend in der Hauptstadt San José angesiedelt ist, ist im Rest des Landes der Ökotourismus präsent. Fast ein Drittel des Landes steht unter Naturschutz und gehört zum staatlichen Nationalparksystem SINAC (Sistema Nacional de Áreas de Conservación). Die Nationalparks werden durch Eintrittsgelder von Touristen und Spenden finanziert, wodurch sie einen wirtschaftlichen Wert aufweisen und ihr Erhalt gesichert ist. In einigen Nationalparks ist nur ein kleiner Teil des gesamten Gebiets öffentlich zugänglich, in anderen ist der Eintritt nur mit einem ausgebildeten, offiziellen Guide möglich. Zu den bekanntesten Nationalparks Costa Ricas zählen der Arenal Volcano National Park, der Nationalpark Manuel Antonio, Tortuguero, Cahuita Nationalpark, Corcovado oder Monteverde Nebelwald. Dank strenger Richtlinien, wie beispielsweise dem Verbot von Plastikverpackungen in Nationalparks, zeichnen sich diese durch eine intakte Tier- und Pflanzenwelt aus.

Abgesehen von den Nationalparks bemüht sich das Land um eine nachhaltige Wirtschaftsweise. Costa Rica produziert Strom fast ausschließlich aus erneuerbaren Energien. Zudem gibt es Auflagen in der Landwirtschaft, welche den CO2-Verbrauch sowie die Verwendung von Plastik und Chemikalien einschränken, um die umliegenden Wälder und Küstenregionen zu schützen.

Die staatlichen Bemühungen werden durch zivilgesellschaftliches Engagement ergänzt. In Costa Rica befinden sich zahlreiche Nichtregierungsorganisationen, welche sich in vielfältiger Weise für den Naturschutz einsetzen und gegen den Klimawandel ankämpfen. Die Mehrheit der Bevölkerung verfügt über ein großes Wissen zum Klimawandel und sieht den Schutz der Natur als nationale Priorität an. Die Präsenz der Artenvielfalt, verbunden mit deutlich spürbaren Auswirkungen des Klimawandels, welche sich insbesondere durch das vermehrte Auftreten von Extremwetterereignissen, wie Überflutungen, äußern, führen zu einem hohen Bewusstsein über die Fragilität der Ökosysteme.

Neben nationalen Bemühungen vertritt Costa Rica eine starke Position in internationalen Klimaschutzverhandlungen.

Costa Rica dient als Vorbild für andere Länder Zentralamerikas, welche von dessen Expertise lernen können. So steht Costa Rica beispielsweise in einem trilateralen Kooperationsverhältnis mit Deutschland, in welchem die beiden Länder die Dominikanische Republik und Honduras finanziell und fachkundig bei dem Schutz von Korallenriffen unterstützen.

Des Weiteren ist Costa Rica aktiv in internationalen Foren und Institutionen, unter anderem dem Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte, welcher seinen Sitz in der Hauptstadt des Landes, San José, hat. Im Juli 2025 entschied der Gerichtshof, das Recht auf ein gesundes Klima als Menschenrecht anzuerkennen. Dieser Meilenstein bedeutet, dass Staaten und Konzerne nach internationalem Recht dazu verpflichtet sind, die Klimakrise als Menschenrechtskatastrophe anzusehen und einen Beitrag dazu zu leisten, die Auswirkungen und Ausmaße des Klimawandels zu reduzieren.

Auch bei den jährlichen COP des UNFCCC spielt Costa Rica eine entscheidende Rolle. Seit dem COP27 setzt sich das Land in der V20, der Gruppe der 20 vulnerablen Staaten hinsichtlich der Auswirkungen des Klimawandels, für einen internationalen Klimafond ein. Hintergrund dafür ist, dass insbesondere Entwicklungsländer nicht die nötigen finanziellen Ressourcen besitzen, sich vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen. Sie weisen eine hohe Vulnerabilität auf, indem sie stärker vom Klimawandel betroffen sind, eine geringere Anpassungskapazität haben und sich nur schwer von klimabedingten Katastrophen erholen können. Die monetären Verluste durch Extremwetterereignisse stellen ein Wirtschaftshemmnis für viele Entwicklungsländer dar und verschärfen bereits bestehende prekäre Lebensverhältnisse von ärmeren und marginalisierten Bevölkerungsgruppen innerhalb der Länder. Costa Rica setzt sich aktiv für eine Verstärkung des bei dem COP27 etablierten internationalen Klimafonds ein, indem es eine Verbesserung der finanziellen Infrastruktur fordert, um Länder monetär bei Adaptionsstrategien sowie bei klimabedingten Schäden und Verlusten zu unterstützen. Im Rahmen des Global Shield, einer Initiative der V20, konnte Costa Rica die Einführung eines neuen Versicherungs- und Finanzierungsprogramms für Klimarisiken durchsetzen.

Obwohl Costa Rica selbst in einigen Bereichen, insbesondere hinsichtlich des hohen Individualverkehrs und des mangelhaften öffentlichen Personennahverkehrs sowie in Aspekten der Mülltrennung und des Recyclingsystems, noch einen weiten Weg zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaneutralität vor sich hat, ist der Aktivismus des Landes sowohl im Denken über Klimaschutz als auch in nationalen und internationalen Initiativen anderen Ländern weit voraus. Beachtlich ist deshalb, was die Welt von Costa Rica, dem kleinen, erdgeschichtlich jungen, zentralamerikanischen Land, im Hinblick auf den Klima-Aktivismus lernen kann.

Ein Beitrag von Christina Hettrich (Praktikantin des LAF Berlin)

Beitragsbild: Christina Hettrich